Nevada

 

Etwa 80 Todestraktinsassen befinden sich derzeit im "Ely State Prison", dem Staatsgefängnis von Nevada.

Ely State Prison

 

Currently about 80 death row inmates are housed at the "Ely State Prison" in Nevada.



Eine freundliche Pflanze
von Dale Flanagan

 

Ich glaube, sie war bereits tot, als wir uns begegneten.


Ich wünschte, ich hätte eine Kamera gehabt, um sie anderen zu zeigen. Ich glaube nicht, dass jemand anderes sie zu schätzen gewusst hätte für das, was sie war.


Als ich zum ersten Mal aus dem schmalen Schlitz meines Fensters auf die einsame Wüstenei des Niemandslands meines Gefängnishofes schaute, sah ich sie dort, so allein wie mich selbst.


Umgeben von Hunderten von Metern nackten Steinen, Stacheldrahtzaun und Geschütztürmen.


Wir ließen es langsam angehen. Wir fanden unsere Routine. Bei Sonnenaufgang begrüßten wir uns, bei Sonnenuntergang sagten wir uns „Gute Nacht“. Meine neue Freundin und ich hatten uns eingelebt.


Unsere gemeinsame Zeit war kurz.


Doch sie war stets eine treue Freundin. Immer für mich da, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Um mir zuzuhören oder einfach nur da zu sein. Sie erzählte mir von dem Wind, der ihren Körper mit jedem Atemzug zum Zittern brachte. Sie erzählte mir von dem Schnee, von seiner Tiefe, indem sie mich sehen ließ, wie viel ihres Körpers aus dem weißen Mantel herausschaute.


In den anderthalb Jahren, in denen sie bei mir war, ist sie nie gewachsen, wurde niemals grün und entwickelte keine Blüten oder Blätter.


An dem Tag, als ich sie das erste Mal sah, war sie braun, steif und unansehnlich. Sie ist jetzt fort. Alles, woraus sie bestand, wurde durch das unvorsichtige Verhalten eines Fußes mit einem Stiefel herausgerissen. Nur meine Erinnerung an ihre Existenz bleibt bestehen. Sie ist tot und fort.


Obwohl ich denke, dass sie bereits tot war, als wir uns begegneten...

 

A Friendly Plant

by Dale Flanagan

 

I think, he was dead when we met.

 

I wish I had had a camera to share him with others. I don’t think anyone else would have appreciated him for him.

 

As I looked out my arrow-slit of a window for the first time upon the lonely desolation that is no-man’s land, I saw him, there, alone as I am.

 

Surrounded by hundreds of meters of bare dirt rock fence and gun towers.

 

We began slowly. We found our routine. In sunrise we’d greet, in sundown say our goodnights. My new friend and I settled in.

 

Our time together was short.

 

Throughout though, he was a faithful friend. Always there for me anytime of day or night. To listen or just be. He would tell me of the wind, causing his body to quiver with its each breath. He would tell me of the snow, of its depth, be how much of his body peeked through the covering mantle of white.

 

In the year and a half he was with me, he never grew, turned green, sprouted flower or leaf.

 

The day I met him he was brown, stiff and desecrated. He is gone now. All that he was has been cut off by the careless tread of a jack-booted foot. Only my memory of his being remains. He’s dead and has gone.

 

Though I think, he was dead when we met…

 



Mein Leben im Todestrakt

von Nevada

von Timmy Weber

Mein Name ist TJ, im April 2002 wurde ich festgenommen, 2003 wurde ich schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Im Sommer 2003 kam ich hier in Ely an, wo sich der Todestrakt von Nevada befindet. Vor meiner Ankunft befürchtete ich die allerschlechtesten Bedingungen für die zum Tode Verurteilten, aber gerade weil ich das Schlimmste erwartet hatte, überraschte es mich, wie human es letztlich war. Nach Jahren im Todestrakt ist mir klar, dass das doch nicht stimmt, verglichen damit, wie es Häftlingen in den anderen Gefängnissen von Nevada geht.

 

Als ich hier ankam, waren die einzigen beiden Menschen, die mit mir Kontakt hielten, meine Mom und meine Grandma, sie wohnten zusammen. Meine Familie ist eigentlich groß, doch keiner war bereit, noch mit mir in Verbindung zu bleiben. Das war 2003, und zu der Zeit hatten sie alle längst aufgehört, wie früher Briefe zu schreiben, um mit Freunden und Verwandten die Verbindung aufrecht zu halten. Damals gestattete Nevada seinen Insassen nicht, per e-Mail zu kommunizieren.

 

Daher bestand für mich die größte Strafe im Verbot, über e-Mails mit Leuten Kontakt aufzunehmen und Freundschaften zu pflegen wie im 21. Jahrhundert üblich. Im Rückblick betrachtet wirkte sich das enorm aus - es wäre mir sonst möglich gewesen, mit allen Verwandten und Freunden in Verbindung zu bleiben. Und dadurch hätte ich eine Chance gehabt, emotional weitaus gefestigter mit allem umzugehen. Seiner zeit durfte ich jede Woche gerade mal einen 15-minütigen Anruf tätigen, und dieser eine Anruf kostete mich $3,50.

Und so kommt es, dass die Achterbahn der Depressionen dich tagein, tagaus ständig begleitet. Da wachst du dann morgens auf und den ganzen Tag hast du nur den einen Gedanken, ich möchte sterben, ich möchte nur noch, dass das alles hier vorbei ist. Der kleinsten Kleinigkeit fiebert man entgegen. Das kann ein Brief sein, oder der nächste Telefonanruf, den man machen darf. Es kann der Abend sein, an dem man etwas aus dem Gefängnisladen bekommt, oder dass es ein bestimmtes Gericht zu essen gibt. Und schon die geringste Enttäuschung stürzt dich in eine tiefe Depression. ...

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Nevada Death Row_D_Weber_NV.pdf
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My Life on Nevada`s

Death Row

by Timmy Weber

 

My name is TJ, I was arrested in April 2002, and convicted and sentenced to death in 2003. In the summer of 2003 I arrived here in Ely, where Nevada’s death row is housed. Before I got here I expected the worst conditions being sentenced to death, but since I expected the worst, I was surprised by how humane it was. But after years of being on death row I now know that is not the case, on a comparative level to other inmates in Nevada’s prison system.

         

When I got here the only two people who had contact with me were my Mom and Grandma, they lived together. I have a large family, but none were willing to maintain communication with me. That was in 2003, and they all had already moved past the stamp and envelope way to maintain relationships or friendships. At the time Nevada would not allow inmates to have any type of Email contact.

 

So the biggest punishment was not allowing me to have a 21st century ability to contact and maintain a relationship with anyone through Email. Looking back, this was huge, it would have allowed me to have a connection with all my family and friends. Which would have allowed me to be a lot more emotionally stable. At the time I was allowed one 15 minute call a week, at $3.50, for the one call.

 

Soon the roller coaster of depression becomes a permanent part of your week. One day you wake up and all you think all day is I want to die, I just want this all to be over. Then something small becomes everything for you look forward too. It might be a letter, or that phone call you get to make. It could be commissary night, or one of the prison meals that you like. If you’re given the slightest disappointment, you immediately drop down to a deep depression. ...

 

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Die Wahrheit von allem

von Antonio L. Doyle

 

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Lebensumstände und Emotionen:

Unsere Lebensumstände sind hier nicht so schlimm wie in vielen anderen Todestrakten in diesem Land. Wir dürfen hier zu bestimmten Zeiten auf den Flur und in den Hof in Gruppen von 12-15 Personen. Der Austausch in der Gruppe ist eine gute Sache, aber es ist nur eine zeitweilige Unterbrechung und Ablenkung von der Tatsache, dass wir uns im Todestrakt befinden. Häufig saß ich da und wollte aufgeben und wachte trotzdem am nächsten Tag wieder auf. Es sind die Familie und die Freunde, die unsere Tage leichter oder schwieriger machen, mit unserer Situation umzugehen.

 

Ich war in drei anderen Gefängnissen für Gerichtstermine oder aus medizinischen Gründen und das Essen hier ist das schlimmste. Kleine Portionen und manchmal nicht gargekocht, sodass man sich weiteres Essen dazu kauft, welches ziemlich teuer ist, was vielleicht zum systematischen Plan des Gefängnisses gehört.

 

Dann siehst du, wie andere zu Besuchsterminen gehen oder Post bekommen, und das zieht dich dann noch weiter runter. Und mit den wenigen Programmen, die du hier empfangen kannst, gibt es nicht besonders viel Ablenkung durch Dinge, die nicht überflüssig sind. Frag dich selbst: Kann es eine Zukunft geben, wenn jeder Tag exakt dem anderen gleicht?

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The Truth Of It All

by Antonio L. Doyle

 

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Living conditions and emotions:

Our living conditions are not as bad as most other death row units in this country. We get to come out for tier and yard at certain times in groups of 12-15. The group interaction is a good thing but still is only a temporary break from the fact you are on death row. Many times I have set and wanted to give up only to find myself waking up to a new day. It is family and friends who make the days difficult or easier to deal with.

 

 

I have been to three other prisons for court/ medical and the food is the worst here. Small portions and sometimes undercooked. So you must buy food that is highly priced and may be part of the prison system’s plan.

 

 

Then you see others go to visits or get mail and that drags you down even more and with very few programs available to us there is not much to keep your mind focused on other things that are not redundant. Ask yourself this: Can there be a tomorrow if everyday is excactly the same? ...

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Empathie

von Dale Flanagan

 

Kein Mensch ist wertlos, wenn du ihn verstehst. Niemandes Leben ist nichts. Selbst die scheinbar schlimmsten Menschen, wenn du ihre Herzen kennst, haben irgendeine gute Tat im Leben getan, die zumindest ein klein wenig zählt.

 


Wir alle sind miteinander verbunden, weil wir alle leiden, weil wir alle die gleichen Bedürfnisse, Hoffnungen, Wünsche, Zweifel, Kämpfe haben.

 


Das Handeln auf der Basis von Mitgefühl verändert das eigene Selbst. Empathie zu entwickeln ist einfach, wenn man mit einem kleinen Schritt beginnt. Fang mit jemandem an, mit irgendjemandem. Sieh diesen Menschen als Mitmenschen, denke dir: Dieser Mensch wünscht sich Glück wie ich, dieser Mensch will frei sein von Leiden wie ich, dieser Mensch hat mit Trauer, Einsamkeit und Verlust zu kämpfen wie ich, dieser Mensch … wie ich…

 


Betrachte das Leiden dieser Person: Wie wäre es, wenn du dasselbe ertragen müsstest? Wie würdest du dich fühlen? Versuch dich in die Lage dieser Person zu versetzen. Fühle für einen Moment, wie es wäre, an ihrer Stelle zu sein.

 


Suche bei deinen Mitmenschen nach Tugenden, und drück mal ein Auge zu bei Fehlern – denk daran, wir alle haben sie.

 


Wenn wir Menschen um uns herum als "etwas anderes" sehen, kann es leicht geschehen, dass wir unsere Mitmenschen anders behandeln und nicht als Teil unserer eigenen Gruppe. Und dann fühlen wir uns frei von jeder Verantwortung, wenn wir sehen, wie sich der Mob gegen sie bildet. Aber der andere ist ein Mitmensch! Es ist leicht, in diese Falle zu laufen, wenn wir nicht kritisch denken oder einfach nur am Rand sitzen und zuschauen, aber nicht handeln.

 


Wenn du nicht handelst oder dich überhaupt nicht zu Wort meldest, wirst du mitschuldig. Also handle. Und wenn du nur eine Brieffreundschaft beginnst.

 


In welchem Maße du auch immer dem US-Justizsystem und der Todesstrafe zustimmst, es funktioniert nicht. Von den Tausenden, die über Jahrzehnte unter den Haftbedingungen leiden; es wäre ein Verbrechen, am Ende auch nur einen Hund entgegen aller Beweise für seine Unschuld festzuhalten; bis hin zum Vorwand der Abschreckung, dabei ist die Kriminalitätsrate in Staaten mit Todesstrafe nicht geringer.

 


Albert Camus: "Darauf zu bestehen, dass ein Mensch vollkommen von der Gesellschaft ausgeschlossen werden muss, weil er absolut böse ist, kommt umgekehrt der Behauptung gleich, dass die Gesellschaft absolut gut ist. Und niemand, der bei Verstand ist, wird das heute glauben."

 

Empathy

by Dale Flanagan

 

No human being, when you understand, is worthless. No one’s life is nothing. Even the seemingly worst of man if you understand their hearts, had some generous act in life that redeems at least a little.

 


All of us are connected, all of us suffer, all of us have the same needs, hopes, desires, doubts, struggles.

 


Acting on compassion changes self. Developing empathy is easy when you begin with a small step. Begin with someone, anyone. See this someone as a fellow human, think: This person like me desires happiness, this person like me wants to be free of suffering, this person like me has faced grief, loneliness, sorrow and loss, this person like me…

 


Consider that person’s suffering: How would it be for you to endure the same? How would you feel? Try to put yourself in that person’s place. Feel for a moment as the old saying goes, what it might be like to be in his shoes.

 


Search others for virtues, wink at faults – remember, we all have them.

 


When we see people as “other”, it becomes easy to treat the other as different, not a part of my group, we can begin to feel relieved of any responsibility, when we see the mob forming. That other is a fellow human being. It’s easy to fall into the trap of the other, when we fail to think critically or just sit on the sidelines and fail to act.

 


When you fail to act or even speak up, you become complicit. So, act. Even if only to become a pen friend.

 

By whatever measure you hold up to the US Justice system and the death penalty, it fails. From the thousands who have suffered under prison conditions for decades; it would be criminal to hold a dog in finally against all odds prove they are innocent; to the pretense to deterrence – the crime rate is not lower in states with the death sentence.

 


Albert Camus: “To assert in any case that a man must be absolutely cut from society because he is absolutely evil, amounts to saying that society is absolutely good. And no one in his right mind will believe this today.”

 



Auszug aus dem Buch

"Die verlorenen Schriften

von Vernon Nelson"

von Vernon Nelson

 

Meine Zeit in diesem Gefängnisgebäude hat einem großen Ziel gedient, denn ich habe etwas über andere gelernt, ebenso wie über mich selbst. Niemals hätte ich gedacht, dass ein solches Geschenk liegen könnte in dieser Bedrängnis oder dass der Schmerz meiner Gefangenschaft

eine solch tiefe Inspiration hervorbringen würde. Hier habe ich die Bedeutung des Satzes: „Gott züchtigt diejenigen, die er liebt“, gelernt.

 

Vor meiner Inhaftierung bin ich um die ganze Welt gereist von Amsterdam nach Großbritannien. Doch es war hier, dass ich gezwungen wurde mir selbst zu begegnen und meine Fehler zu prüfen. An diesem dunklen Ort habe ich das Licht gefunden und meine Art des Denkens verändert.

 

Durch „Die letzten Schriften von Vernon Nelson“ teile ich mit euch die sehr persönlichen Kapitel meiner Reise, in der Hoffnung, sie führt euch nicht auch an diesen Ort, bevor ihr euch verändert. Und im Falle, dass die Reise dich dennoch hierher bringt, erinnere dich immer daran: Leiden ist ein Teil

des großen Erwachens…

 

Dies ist ein Ausschnitt aus der Einleitung meines Selbsthilfebuches „The Lost Writings of Vernon Nelson” @ lulu.com & amazon.com.

Wenn Sie mich unterstützen möchten, bestellen Sie das Buch online! Ich habe es in meiner Gefängniszelle geschrieben...

 

 

Excerpt of the book

"The Lost Writings of

Vernon Nelson"

by Vernon Nelson

 

My time in this prison building has served a great purpose, for I have learned about others as well as myself. Never would I have imagined I´d be given such a gift in the form of oppression, or, that the pains of my confinement would give birth to such profound inspiration; it is here that I have learned the meaning of the phrase “god chastises the ones he loves”.

 

Before my incarceration, I had traveled all around the world from Amsterdam to the U.K. Still, it was here that I was forced to face myself and examine my flaws. It is in this dark place that I found light and reformed my  way of thinking.

 

Through The Lost Writings of Vernon Nelson I share with you these intimate chapters from my journey in the hope that it doesn’t take you coming here before you meet change. However in the event you do remember this one thing: Suffering is an apart of the great awakening…

 

This is an excerpt from the introduction of my self-help book called The Lost Writings of Vernon Nelson @ lulu.com & amazon.com. Show your support & download this book online!
It was published from prison and written in my prison cell!

 

More books written by Vernon Nelson:

"My Life and My Charms"

"EMOTIONS Stirred"

All books available as Paperback and E-Book!



VERNON NELSON IST NICHT IM TODESTRAKT! / VERNON NELSON IS NOT ON DEATH ROW!